Die 50-m²-Regel: Was § 61 BremLBO erlaubt
Die Bremische Landesbauordnung zählt Garagen und überdachte Stellplätze zu den verfahrensfreien Bauvorhaben, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: höchstens 50 m² Brutto-Grundfläche, eine mittlere Wandhöhe bis 3 m und ein Standort im Innenbereich, also im Geltungsbereich eines Bebauungsplans oder innerhalb der zusammenhängenden Bebauung. Für die Praxis heißt das: Der klassische Einzelcarport (rund 15–18 m²) und auch der Doppelcarport (rund 28–36 m²) bleiben deutlich unter der Schwelle. Selbst ein Doppelcarport mit Geräteraum passt meist noch hinein.
„Verfahrensfrei“ bedeutet: kein Bauantrag, keine Baugenehmigung, keine Wartezeit auf das Bauamt. Es bedeutet ausdrücklich nicht, dass keine Regeln gelten. Dazu gleich mehr.
Grenzbebauung: die 9-Meter-Regel
Carports dürfen als privilegierte Gebäude ausnahmsweise ohne Abstandsfläche direkt an die Grundstücksgrenze. Sonst wären sie auf vielen Bremer Grundstücken gar nicht unterzubringen. Die Grenzen der Privilegierung: maximal 3 m Wandhöhe und höchstens 9 m Gesamtlänge der Grenzbebauung je Grundstücksgrenze. Wer also bereits ein Gartenhaus an derselben Grenze stehen hat, muss dessen Länge mitrechnen.
Verfahrensfrei ist nicht regelfrei
Der häufigste und teuerste Irrtum beim Carportbau: „Ich brauche keine Genehmigung, also darf ich bauen, wie ich will.“ Tatsächlich müssen auch verfahrensfreie Vorhaben alle materiellen Vorschriften einhalten:
- Bebauungsplan: Baugrenzen, Vorgärten, Gestaltungssatzungen. In manchen Bremer Ortsteilen ist der Bereich vor der Baulinie tabu oder die Dachform vorgegeben.
- Abstandsflächen: Was nicht als Grenzgarage privilegiert ist, braucht Abstand, in der Regel 2,50 m.
- Brandschutz: Bei Grenznähe zu Nachbargebäuden können nicht brennbare Materialien oder Brandwände nötig werden.
- Standsicherheit: Auch der verfahrensfreie Carport muss den Lastannahmen für Wind und Schnee genügen, in Windzone 2 mit Küsteneinfluss keine Formsache.
Stadt Bremen vs. niedersächsisches Umland
Wer in Schwanewede, Ritterhude, Lilienthal, Achim, Weyhe, Stuhr oder Delmenhorst baut, verlässt den Geltungsbereich der BremLBO. Dort gilt die Niedersächsische Bauordnung (NBauO). Und die wurde zum 1. Juli 2025 spürbar liberalisiert:
| Kriterium | Stadt Bremen (BremLBO) | Niedersachsen (NBauO, seit 07/2025) |
|---|---|---|
| Garagen/Carports verfahrensfrei bis | 50 m² Brutto-Grundfläche | 60 m² je Grundstück (vorher 30 m²) |
| Mittlere Wandhöhe | max. 3 m | max. 3 m |
| Typischer Einzelcarport (≈ 16 m²) | verfahrensfrei | verfahrensfrei |
| Typischer Doppelcarport (≈ 33 m²) | verfahrensfrei | verfahrensfrei |
| Geltung nur im Innenbereich | ja | ja |
Vereinfachte Darstellung, Stand Juli 2026, ohne Gewähr. Maßgeblich sind die jeweils aktuellen Fassungen von BremLBO und NBauO, der Bebauungsplan und die Einschätzung der örtlichen Bauaufsicht.
Wichtig zu wissen: Viele Ratgeber und Konfiguratoren rechnen noch mit der alten niedersächsischen 30-m²-Grenze. Danach hätte ein Doppelcarport in Ritterhude einen Bauantrag gebraucht, den er seit Juli 2025 in der Regel nicht mehr braucht. Genau solche veralteten Pauschalaussagen sind der Grund, warum wir die Rechtslage für jede Adresse einzeln prüfen, bevor ein Angebot entsteht, kostenlos und auf dem Stand der aktuellen Gesetzesfassung.
Checkliste: In 5 Schritten zur sicheren Entscheidung
- Grundstücksadresse klären: Stadt Bremen oder Niedersachsen? Innenbereich oder Außenbereich?
- Bebauungsplan einsehen (online über das Geoportal Bremen bzw. die Gemeinde). Oder von uns prüfen lassen.
- Grenzsituation messen: Wie viel Grenzbebauung existiert schon? Bleiben Sie unter 9 m Gesamtlänge?
- Maße festlegen: unter 50 m² (Bremen) bzw. 30 m² (Niedersachsen) und 3 m Wandhöhe bleiben. Oder bewusst den Antrag einplanen.
- Statik und Ausführung dokumentieren. Auch verfahrensfrei gilt: Wer später verkauft, ist mit Unterlagen im Vorteil.
Übrigens: Für Terrassenüberdachungen gelten eigene Grenzen (30 m² und 3 m Tiefe in Bremen wie Hamburg). Details dazu im Ratgeber zur Terrassenüberdachung. Oder direkt auf unserer Seite Carport Bremen, wenn es konkret werden soll.